24Oktober

Orgelbearbeitungen

Brauchen wir...neue Orgelbearbeitungen romantischer Symphonik?

Eine gute Frage, auf die es einige Antworten gibt. Zunächst ist die Qualität dessen zu analysieren, was uns angeboten wird.
Die großen Vorbilder wie Karg-Elert, Lemare oder Widor legen die Messlatte hoch. Wie sind die Qualitätsmerkmale dieser bemerkenswerten Kunstform einzuschätzen? Unterschieden werden muss unbedingt zwischen zwei unterschiedlichen Herangehensweisen, der Ersten, bei der direkt von der Originalpartitur aus dem Stegreif eine Partitur auf die Orgel übertragen wird und der Zweiten, wo  Arrangeure ihre musikalischen Vorstellungen der Vorlage zunächst zu Papier bringen.

Hören wir uns doch einmal an, wie ergreifend zum Beispiel Lemare Wagner bearbeitete. Ebenso ergreifend gut gespielt: Jonathan Scott mit Wagners Ouvertüre zu Tannhäuser. Da vermisse ich die Originalfassung kaum. Im Übrigen ist auch der Orgeltyp von herausragender Bedeutung, hier sind romantisch-orchestral disponierte deutsche und englische Orgeln von Vorteil: listen and repeat!

Als 2. Beispiel Alexander Frey mit einer Version von Mahlers Adagietto aus der 5. Symphonie im Arrangement von Jerry Kinsella:

Leider wird aber häufig versucht, jene geglückten Beispiele auf kleinen und ungeeigneten Orgeln der jeweiligen - in der Regel kleineren - heimatlichen Kirche zu übertragen, die leider nicht über die gewaltigen dynamischen Modulationen verfügen, die in den zwei Beispielen eindrucksvoll dargestellt werden.

Nun aber zum eigentlichen Thema:
Brauchen wir neue Bearbeitungen symphonischer Musik? Ja, die brauchen wir, wenn sie so gut gelungen sind, wie bei Ebehard Klotz. Er gab die VI. und die IX. Symphonie Anton Bruckners in einer sehr geglückten Orgelbearbeitung beim Merseburger Verlag heraus. Allerdings ist auch hier der Interpret gut beraten, sich ein geeignetes Instrument für die Aufführung zu organisieren.

Martin Forciniti
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Gepostet in Noten

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